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 Walpurgisnacht - Geschichte und Hintergrundwissen

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Blut_Schwester
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BeitragThema: Walpurgisnacht - Geschichte und Hintergrundwissen   Do Apr 26, 2012 4:30 am

Die Wurzeln der Walpurgisfeier liegen weit in vorchristlicher Zeit und gehen auf germanische Ursprünge zurück. Diese "Ureinwohner" des Harzes feierten an diesem Tag ein mit diversen Opfern einhergehendes Frühlingsfest als Freude über das Ende des Winters sowie Wotans Hochzeit (oberster Germanengott). Dabei wurden auch böse Geister vertrieben, was durch Verkleidungen mit Masken, Schüssen und Feuer geschehen sollte. Im Rahmen der Christianisierung vor etwas mehr als 1000 Jahren wurden Namen und Inhalt dieses heidnischen Spektakels formal der neuen Zeit angepaßt. Doch wer Augen hat, um zu sehen und Ohren, um zu hören, der muß erkennen, daß die Walpurgisnacht auch heute alles andere als ein christliches Fest ist.

Die Walpurgisnacht wird immer am Vorabend des Namensfestes der heiligen Walburga gefeiert, einer gelehrten Frau und Äbtissin eines Nonnenklosters, deren Leben in keinem Zusammenhang mit Hexen und dem Teufel stand. Erst ihre Heiligsprechung durch Papst Hadrian II. an einem 1. Mai stellte die Verbindung zur heutigen Walpurgisnacht her, denn durch zahlreiche Wundertaten, welche Walburga zugeschrieben werden, gilt sie auch als Schutzpatronin der Seefahrt und gegen böse Geister.


Walburga
Walburga (eigentlich Valborg, auch Walburg, Waltpurde, Walpurgis, Walpurga, in Frankreich bekannt als Vaubourg, Falbourg, im normannischen Le Perche Gauburge = wehrhafte Burg; * mutmaßlich um 710 im südenglischen Wessex (so viel wie „Westsachsen“); † mutmaßlich 25. Februar 779, nach anderen Quellen 780 in Heidenheim (Mittelfranken)) war eine in Süddeutschland tätige Missionarin sowie Vorsteherin des Benediktinerklosters von Heidenheim. Walburga gilt als die Tochter des westsächsischen christlichen Königs im angelsächsischen Reich Richard von Wessex und wird von den meisten Quellen als eine Nichte des heiligen Bonifatius angesehen.

Leben und Wirken
Geboren wird Walburga um das Jahr 710 als eines von vielen Kindern einer wohlhabenden englischen Familie in Devon (Wessex). Die königliche Abstammung, nach der sie die Tochter von König Richard dem Angelsachsen und seiner Frau Wuna oder Wina war, ist nicht sicher belegt, eine begüterte oder vielleicht sogar privilegierte gesellschaftliche Stellung ihrer Familie, sprich Adel, kann jedoch durchaus angenommen werden. Früh verwaist, soll sie bereits im Alter von 10 oder 11 Jahren in das Kloster von Wimborne in Dorset aufgenommen worden sein, zu dieser Zeit bekannt für seine Gelehrsamkeit und gute Ausbildung für junge Frauen aus der westsächsischen Oberschicht, für die eine Heirat nicht vorgesehen war. Dort verbrachte sie rund 26 Jahre ihres Lebens und wurde von Äbtissin Tetta sorgfältig auf eine Aufgabe als Missionsleiterin in den zu dieser Zeit weitgehend noch nicht christlich geprägten deutschen Landen vorbereitet.

Beeindruckt mag es sie haben, als ihre beiden Brüder Wunibald und Willibald von Eichstätt dem Ruf ihres Onkels Bonifatius auf das Festland gefolgt waren. Beide pilgerten zunächst nach Rom, Willibald sogar nach Jerusalem, die beiden bis heute bedeutendsten Wallfahrten des Christentums. Anschließend ließen sie sich im päpstlichen Auftrag im heutigen süddeutschen Raum zwecks Mission nieder: Wunibald in Heidenheim (Mittelfranken) und Willibald in Eichstätt als Gründer des dortigen Bistums, dem er mehr als 45 Jahre lang bis zu seinem Tod 781 als Bischof vorstand.

Nachdem ihr Bruder Wunibald sie während eines Besuchs in der Heimat für die Mission hatte gewinnen können, überquerte auch Walburga den Ärmelkanal und ging vermutlich bei Antwerpen an Land. Bei dieser Überfahrt waren wohl auch die junge Nonne Hugeburc, die später eine Vita von Walburgas Brüdern Willibald und Wunibald verfasste, Walburgas Verwandte Lioba und andere Nonnen zugegen. Die Fahrt verlief stürmisch und das Schiff geriet in Seenot. Der Legende nach soll Walburga die ganze Zeit im Gebet kniend an Deck verbracht haben, bis das Schiff heil in den Hafen von Antwerpen einlief. Daher gilt sie bis heute als Schutzpatronin der Seeleute und Schutzheilige gegen Sturm.

Ihre neue Heimat befand sich zunächst in Tauberbischofsheim, wo sie in dem von Lioba geleiteten Kloster Nonne wurde.

Nach dem Tod ihres Bruders Wunibald von Heidenheim 761 übernahm Walburga das von ihm etwa zehn Jahre zuvor gegründete Männerkloster Heidenheim, einen wichtigen Missionsstützpunkt; wenig später kam ein Frauenkloster hinzu. Durch die Leitung dieses mächtigen Doppelklosters wurde Walburga zu einer der bedeutendsten Frauen des christlichen Europas und ist ein prominentes Beispiel für die Entfaltungsmöglichkeiten, die vor allem das alles andere als „finstere“ frühere Mittelalter für begabte und engagierte Frauen aus der Oberschicht bereit hielt. Der 754 im friesischen Dokkum erschlagene Bonifatius soll übrigens einer der ersten gewesen sein, der gezielt Frauen für seine Missionsarbeit heran zog.

Der Walpurgisbiograf Wolfhard von Herrieden berichtet rund 200 Jahre später von zwei Wundern, die Walburga in dieser Zeit gewirkt haben soll. Demnach soll sie einmal ein Kind mit Hilfe dreier Ähren vor dem Verhungern gerettet haben und ein anderes Mal erfolgreich einen tollwütigen Hund beruhigt haben. Auch von Krankenheilungen und der Rettung einer im Kindbettfieber danieder liegenden Wöchnerin wird berichtet. Daher gilt sie bis heute neben vielerlei anderen Zuständigkeiten auch als Schutzheilige gegen Krankheiten und Seuchen, Tollwut, Hungersnot und Missernte sowie als Patronin der Kranken und der Wöchnerinnen, aber auch der Bauern. Wie in vielen Legenden könnte auch in diesen Geschichten ein Körnchen Wahrheit stecken, da die kluge und umfassend gebildete Walburga durchaus heilkundliche Kenntnisse gehabt haben könnte.

Der genaue Todestag Walburgas ist nicht eindeutig belegbar. Das von den Heidenheimer Klosterannalen auf den 25. Februar 779 festgelegte Sterbedatum ist umstritten, in Frage käme auch ein Datum im Jahr 780. Ihr Bruder Willibald, Bischof von Eichstätt, soll ihr in der letzten Stunde beigestanden haben; die beiden Klöster in Heidenheim fielen an ihn zurück und wurden später geschlossen. Walburga geriet für die nächsten einhundert Jahre in Vergessenheit.

Heiligsprechung und Geschichte ihrer Verehrung
Die Heiligsprechung Walburgas durch Papst Hadrian II. erfolgte am 1. Mai (vermutlich im Jahre 870) anlässlich der Umbettung ihrer Gebeine, veranlasst durch Bischof Otgar von Eichstätt. Ihr Grab befand sich zunächst in der Heilig-Kreuz-Kirche, heute im Benediktinerinnen-Kloster St. Walburg in Eichstätt.

In der Folgezeit wurde der aufblühende Reliquien-Kult um Walburga vor allem durch den elitär geprägten Benediktinerorden, Bischöfe und Adel forciert und gefördert, um ein Gegengewicht gegen die äußert populären „Volksheiligen“ zu setzen und den Führungsanspruch des Adels innerhalb der christlichen Welt dauerhaft zu befestigen. Einen Höhepunkt erreichte der Walburga-Kult im 11. Jahrhundert unter dem Kölner Erzbischof Anno II., der Walburgas Hirnschale und Reisestab um 1069 nach Berg später Walberberg (Stadtteil von Bornheim bei Bonn) verbrachte; noch heute werden sie in der Pfarrkirche des Ortes verwahrt. Bereits im Jahre 893 hatte die Nonne Liubila zusammen mit ihrer Schwester Gerlind ein Kloster in Monheim gegründet, stellte es unter den Schutz der heiligen Walburga und erbat sich hierfür Reliquien. Vor allem im ausgehenden Mittelalter, das geprägt war durch schwere Seuchen und Hungerepidemien, erreichte der Walburga-Kult als Nothelferin und Schutzpatronin vor allem in Deutschland sowie im nördlichen Frankreich große Ausmaße. Bis heute finden sich Reliquien, Wallfahrts- und Erinnerungsstätten der Heiligen nicht nur in Eichstätt, Monheim und Walberberg, sondern u. a. auch in Köln, in Overath, im Eifelort Usch, an Orten in Österreich und der Schweiz, in den Niederlanden sowie besonders häufig in der Normandie und in belgischen Städten wie Antwerpen, Oudenaarde und Veurne. Walburga wurde insbesondere von weiblichen Klostergemeinschaften verehrt, so auch im Stift Essen, auf Deckel des Theophanu-Evangeliars steht sie der Äbtissin Theophanu bei. Auch im Damenstift Meschede wurden bereits seit dem 10. Jahrhundert Reliquien der Heiligen verehrt. Selbst in kleinen Dörfern und auf Bergen finden sich vor allem sogenannte Walpurgiskapellen als bis heute beliebte Wallfahrtsziele. An den Küsten Flanderns und der Normandie erbat sich die bedrängte Bevölkerung von Walburga vor allem Beistand gegen marodierende Piraten. Einige Walburga-Orte, wie St. Walburga im westfälischen Werl, liegen an der Pilgerstrecke des Jakobsweges.Seit 1042 soll unter Walburgas Reliquienschrein alljährlich von Oktober bis Ende Februar eine Flüssigkeit, das sogenannte Walburgisöl, austreten. Pilger können es bis heute in Fläschchen abgefüllt im Kloster bekommen. Vor allem am 25. Februar, Walburgas katholischem Gedenktag, strömen zahlreiche Pilger zu dem wundertätigen Schrein in Eichstätt. Seit dem 15. Jahrhundert wurde Walburga auch auf Gemälden stets mit dem Fläschchen abgebildet. 2000 schuf der mittelfränkische Bildhauer Ernst Steinacker vor der Walpurgiskapelle auf dem nach Walburga benannten Berg Walberla oder Ehrenbürg in Kirchehrenbach bei Forchheim eine moderne Bronzestatue der Schutzheiligen mit Reisestab und umgehängtem Ölfläschchen. 2011 ließ der Kriminalbiologe Mark Benecke eine Probe der Flüssigkeit untersuchen – es handelte sich um hartes Wasser mit einem neutralen pH-Wert.[1]

In jüngerer Zeit beginnen auch evangelische Christen und weltliche Politikerinnen sich für die Person der Walburga zu interessieren. So feierten bei der Einweihung der Bronzestatue der Walburga auf dem Walberla am 1. Mai 2000 evangelische und katholische Christen, Pastorinnen, Frauenbeauftragte und die SPD-Politikerin Renate Schmidt zum ersten Mal in der Geschichte des Ortes gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst unter dem Motto: „Starke Frauen braucht das Land – Walburga, eine mittelalterliche Heilige und Frauen von heute“. Eines war Walburga – wenn denn ihre überlieferte „Vita“ wirklich authentisch ist – in der Tat: eine gemäß ihrem Namen wahre „Trutzburg“ des Christentums und eine echte Europäerin.

Gedenktage
Katholisch: 25. Februar (Nicht gebotener Gedenktag im Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet)
in Eichstätt: Übertragung der Gebeine am letzten Sonntag im April, früher 1. Mai.
in Münster: Ankunft der Gebeine am 4. August
Evangelisch: 25. Februar im Evangelischen Namenkalender.
Im Mittelalter war auch die Feier ihrer Heiligsprechung und der Umbettung ihrer Gebeine am 1. Mai weit verbreitet. Daher hieß die Nacht zum 1. Mai Walpurgisnacht.




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