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 Germanische Mythologie

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Blut_Schwester
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BeitragThema: Germanische Mythologie   Do Mai 10, 2012 3:33 am

Hier ein paar Informationen zum Thema Germanische Mythologie/Grundlegendes.

Die Entstehung der Welt

In uralten Zeiten, als noch Himmel und Erde und Götter und Menschen nicht da waren, entstand fern im Süden Muspelheim: die Welt der heilßen Sonne, des Feuers. An der Grenze von Muspelheim sitzt der Urweltriese Surtur mit flammendem Schwerte und schützt sein Reich, und am Ende der Welt wird er kommen, die Götter besiegen und die Welt mit Feuer verbrennen.
Im hohen Norden aber war Nifelheim: die Heimat des kalten Winters, des ewigen Eises, der Nebel und der Finsternis. Und ein Brunnen war in Nifelheim, der hieß Hwergelmir: der rauschende Kessel. Aus ihm kamen zwölf Ströme, die flossen nach Süden, stürzten in den Abgrund zwischen Nifelheim und Muspelheim und erstarrten zu Eis. Da nun ohne Unterlauß Wasser herzuströmte, so legte sich eine Eisdecke über die andere, bis die gähnende Tiefe ausgefüllt war. Und es kamen Feuerfunken von Muspelheim geflogen, die fielen auf die Eisblöcke nieder und erwärmten sie. Da entstand aus ihnen der Riese Ymir.
Auch kam aus den gärenden Eisblöcken die Kuh Audhumbla hervor, von deren Milch sich Ymir ernährte. Eines Tages schlief der Riese, da erwuchs ihm unter einem Arm ein Sohn und unter dem anderen eine Tochter, und von diesen stammt das ganze Geschlecht der Urweltriesen.
Die Kuh Audhumbla leckte an den salzigen Eisblöcken, und siehe! da kam ein Mann aus ihnen hervor, der hieß Bur, und sein Sohn war Bör. Und Bör nahm eine Riesentochter, Bestla, zur Frau und hatte drei Söhne: Odin, Hönir und Loki. Nicht lange, so wurden die drei Brüder stark und mächtig, und sie zogen aus zum Streite wider den alten Riesen Ymir. Ein furchtbarer Kampf entbrannte; Ymir wurde getötet, und es floß so viel Blut aus seinen Wunden, daß darin alle Frostriesen ertranken; nur einer von ihnen, namens Bergelmir, rettete sich mit seinem Weibe auf ein Boot, und von diesem stammen alle späteren Riesengeschlechter.
Odin, Hönir und Loki nahmen nun den toten Ymir, warfen ihn mitten in den brodelnden Schlund zwischen Nifelheirn und Muspelheim und bildeten aus ihm die Welt. Aus seinem Fleisch ward die Erde geschaffen, aus seinem Blut das Meer und alles Gewässer, aus den Knochen die Berge, aus den Zähnen die Steine, aus dem Haar die Bäume, aus dem Hirn die Wolken und aus dem Hirnschädel der Himmel. Die Augenbrauen des Riesen aber nahmen sie und schufen daraus einen festen Wall gegen das Meer. So war nun Land und Wasser geschieden, und die Erde ward trocken, und Gras und Blumen und Bäume sproßten daraus hervor. Die Götter aber nannten das fruchtbare Land Midgard (Mittgart) und bestimmten es zum Wohnplatz für künftige Menschengeschlechter.


Sonne, Mond und Sterne

Es kamen Feuerfunken von Muspelheim geflogen, die haschte Odin und warf sie an den Himmel, da wurden daraus die Gestirne. Auch zwei große Lichter schuf Odin, die da leuchten sollten Tag und Nacht. Und er machte zwei Wagen und stellte die beiden Lichter darauf, und vor jeden Wagen spannte er zwei windschnelle Rosse.
Und es lebte ein Mann, mit Namen Mundilföri, der hatte zwei sehr schöne Kinder, einen Knaben und ein Mädchen. Den Knaben nannte er Mond und das Mädchen Sonne. Ob solchen Hochmuts erzürnte Odin, und er führte die Riesenkinder an den Himmel und gebot dem Knaben, die Rosse des Mondes zu leiten, das Mädchen aber mußte den Sonnenwagen fahren.
Die finsteren Riesen scheuten das Licht, und sie warfen grimmen Haß auf Sonne und Mond und wollten sie vernichten. Da nahmen sie die beiden Wölfe Sköll und Hati, brachten sie an den Himmel und hetzten sie auf Sonne und Mond. Schnell wie der Wind laufen die Himmelsrosse, und doch gelingt es zuweilen den Wölfen, sie einzuholen. Dann sind Sonne und Mond in großer Gefahr: die wütigen Wölfe schnappen nach ihnen und fassen sie in den Rachen, dann sagen die Menschen: "Es ist Sonnen- oder Mondfinsternis."
Bisher aber ist es den Himmelslichtern noch immer gelungen, wieder freizukommen und ihren Verfolgern zu entfliehen; erst am Ende der Welt werden sie von ihnen eingeholt und verschlungen werden.


Tag und Nacht


Es war eine Riesentochter, die hießt Nacht. Sie war düster von Antlitz und trug einen dunkeln Mantel und einen wallenden schwarzen Schleier. Ihr Sohn hießt Tag und war von lichter Schönheit. Weiß und rot und freundlich war sein Gesicht, und seine Haare leuchteten wie Gold. Sein Kleid war licht wie Schnee und glänzte wie weiße Seide.
Und Odin gab der Nacht einen schwarzen Wagen und ein schwarzes Ross, das hieß Hrimfaxi (Reifmähne), denn seine Mähne war ganz mit Reif bedeckt. Ihrem Sohn Tag aber gab er ein herrliches weißes Ross, Skinfaxi, und einen goldschimmernden Wagen.
Wenn nun der Abend naht, so kommt die Nacht am Himmel emporgefahren und überschattet mit ihrem schwarzen Mantel die Erde. Hrimfaxi schüttelt Reif aus Mähne und Schweif, und der Schaum seines Gebisses fällt als Tau hernieder.
Morgens in der Frühe erwacht der Tag aus dem Schlummer. Und er steigt in den Wagen und ergreift Skinfaxis Zügel. Auf tut sich im Osten das goldene Himmelstor, und Tag fährt empor auf der blauen Bahn. Da fliehen die Schatten der Nacht, hell wird die Luft, und des weißen Rosses strahlende Mähne erleuchtet die Erde. Alle Geschöpfe jauchzen dem schönen Tage freudig entgegen, denn er bringt Licht und Leben. In zwölf Stunden hat er den weiten Weg vollendet, dann taucht er im fernen Westen in das Meer, und seine Mutter Nacht beginnt ihre Fahrt.


Erschaffung der Menschen und Zwerge


Eines Tages gingen die drei göttlichen Brüder Odin, Hönir und Loki am Meeresstrande entlang. Da standen zwei Bäume, Esche und Ulme, und Odin sprach:
"Lasset uns Menschen daraus schaffen nach unserem Bilde, auf dass Midgard, die schöne, fruchtbare Erde, von ihnen bewohnt werde." Und er schuf einen Mann und ein Weib daraus; Hönir aber gab den Gestalten Bewegung und Verstand, und Loki verlieh ihnen die Sinne und die menschliche Sprache.
Und sie nannten den Mann Ask (Esche) und die Frau Embla (Ulme oder Erle) und führten sie gen Midgard. Da sprach Odin zu ihnen: "Hier sollt ihr wohnen und die Erde bebauen und essen die Früchte des Feldes."
So lebten nun Ask und Embla fortan in Midgard, und von ihnen stammt das ganze Geschlecht der Menschen. lm Innern der Erde aber entstanden die Zwerge, die waren klein und häßlich, hatten aber Menschenwitz und waren klug.
Einige waren weiß, andere schwarz. Vier von ihnen stellte Odin unter die vier Ecken des Himmels, den Himmel zu tragen, die heißen: Nord, Süd, Ost und West. Die Schwarzzwerge bauten sich ihre Wohnungen in den Klüften und im Gestein der Erde. Und sie gruben Schätze: Erz und Eisen, Silber und Gold, errichteten Schmiedewerkstätten und schufen allerlei köstliche Dinge: rote Ringe, goldene Ketten, gute Schwerter und Spieße und noch mancherlei wunderbare Kleinodien.
Selten kommen sie auf die Oberfläche der Erde. Nur nachts dürfen sie sich emporwagen; denn sobald die Sonne sie bescheint, verlieren sie das Leben und werden zu Stein. Die weißen Zwerge hämmern nicht in rußgen Schmiedewerkstätten; ihr Antlitz ist so licht und schön wie die Sonne; darum heißen sie auch Lichtalfen oder Elfen. Sie wohnen im sonnigen Äther und tanzen in mondhellen Sommernächten auf Midgards Blumenauen ihren lieblichen Reigen


Die Namen der Götter und ihre Wohnungen

Das sind die Namen der hohen Asen:
Odin, Thoi, Tyr, Baldur, Forseti, Niörd (Ägir), Freyr, Heimdall, Brage, Hödur, Wali, Uller, Widar, Loki.
Die vornehmsten Göttinnen heißen: Frigg, Sif, Freya, Gerda, Idun, Nanna, Sigyn.
In der Mitte des Weltalls, hoch über der Erde, erbauten die Asen Asgard. Hier wollten sie wohnen, und jeder wölbte sieh hier seine herrliche Halle. Das größte und schönste Haus erbaute sich Odin, der Vater der Götter und Menschen. Gladsheim heißt seine Burg.
Hell schimmert das Dach, denn es ist mit silbernen Schilden gedeckt. Golden sind Pforten und Säulen und Tische und Bänke. An den Wänden hängen glänzende Panzer und Waffen aller Art. Viele Säle sind in Gladsheim, der größte ist Walhalla mit 540 Türen. Daneben ist ein Saal mit zwölf goldenen Stühlen; dorthin gehen die Asen, wenn sie beraten wollen. Auch ist in Gladsbeim Odins Hochsitz Hlidskialf. Setzt sich der Weitenvater auf diesen Thron, so überschaut sein Auge alle Welten. Leicht kann man Gladsheim vor den anderen Götterpalästen erkennen: über der goldenen Pforte hängt ein Wolf, und darüber sitzt ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln und droht mit Krallen und Schnabel.
Das gemeinsame Haus der Göttinnen heißt Wingolf, kaum minder prächtig als Gladsheim mit Walhalla. Herrlich ist Asgard vor allen andern Welten. Darüber wölbt sich die Krone der Esche Yggdrasil, und durch das grüne Blätterdach fallen ewig milde Sonnenstrahlen in das herrliche Heim der Asen.
Da stürzen Ströme mit donnerndem Fall von Himmelsbergen nieder, und unter geheimnisvollem Rauschen rollt Sagas Strom durch dämmernde Schatten dahin. Glasir, der Goldwald, schimmert und leuchtet in heller Pracht, und wenn einer der Asen hindurchwandelt, so klingen und singen die goldenen Zweige in zaubervoller Musik. Da ist das weite, grasbedeckte Idafeld, wo die Asen in Jugend und Unschuld mit den goldenen Täfelchen spielten, die erst wiedergefunden werden, wenn im Weltuntergange alle Schuld gesühnt ist und in Himmelshöhen die neuen Götterpaläste sich erheben werden.


Bifröst, die Himmelsbrücke

Als die Götter Asgard erbaut hatten, wölbten sie eine Brücke von der Erde zum Himmel und nannten sie Bifröst; Menschenkinder heißen sie Regenbogen. Auf derselben steigen die Asen herab zu den Menschen, und die im Kampfe gefallenen Helden reiten darauf gen Walhalla.
Viele Farben hat Bifröst; das Rote darin ist lohendes Feuer, und nicht jeder kann darüber hingehen. Unholde Riesen würden Asgard stürmen, wenn sie Bifröst ersteigen könnten. Am oberen Ende der Brücke steht die Himmelsburg, darin Heimdall wohnt, der Wächter von Asgard. Wenn Gefahr droht, ergreift er sein Horn und bläst hinein, und der Schall wird in allen Welten vernommen.
Sehr fest gefügt ist Bifröst; aber wenn am Ende aller Tage der Feuerriese Surtur mit seinen Scharen darüber hinreiten wird, dann wird die Brücke krachend zusammenbrechen.



Weltesche Yggdrasil und die Nornen

Mancher hohe Eichbaum ragt auf Midgards Bergen, und doch ist keiner so hehr wie Yggdrasil, die Weltesche. Ihre Krone wölbt sich über Asgard, den Sitz der Götter; der Stamm reicht von der Erde gen Himmel, und die Wurzeln sind gegründet tief in Midgard, im Lande der Riesen und in Nifelheim.
Immergrün ist die Krone dieses heiligen Baumes; Heidrun, die Ziege, nährt sich von seinen Blättern. Und kräftig muß wohl diese Speise sein, denn die Ziege gibt so viel Met, daß alle Götter und die Helden Wallhallas vollauf zu trinken haben. Auch weidet ein Hirsch in der Krone, und von seinem Geweih fallen so viel Tropfen gen Nife1heim in den Brunnen Hwergelrnir, daß daraus alle Ströme der Welt entspringen.
Ein Adler sitzt auf dem Gipfel des Baumes, und zwischen seinen Augen rastet ein Habicht. An dem Stamm steigen vier Hirsche auf und ab und benagen die frischen Auswüchse; auch Ratatwiskr, ein Eichhörnchen, klettert daran auf und nieder.
Unter der Wurzel in Nifelheim, die zur Hel geht, liegt Nidhögger, ein scheußlicher Drache, und viel boshaftes Gewürm; und die Unholde nagen an der Wurzel, um den Baum zu zerstören. Nidhögger liegt im Streit mit dem Adler, der in der Krone sitzt, und sie sagen sich arge Schimpfworte, die das Eichhörnchen Ratatwiskr (Zwistträger) von einem zum andern trägt.
Die zweite Wurzel steht im Lande der Riesen. Unter ihr ist ein Brunnen, der dem Riesen Mimir gehört. Wer das Wasser dieses Brunnens trinkt, der erfährt tiefe Geheimnisse der Urzeit. Selbst Odin kam einmal zu Mimir und begehrte einen Trank aus dem weisheitsvollen Brunnen. Mimir gewährte ihm denselben, doch mußte ihm Odin dafür eins seiner Augen zum Pfande geben. Seitdem ist der Weltenvater einäugig.
Die dritte Wurzel der Weltesche steht in Midgard, dem Lande der Menschen. Auch unter ihr ist ein Brunnen, auf dessen Spiegel weiße Schwäne ihre Kreise ziehen. Hier wohnen die Nornen, drei göttliche Schwestern, welche Glück und Unglück Göttern und Menschenkindern verleihen und dem einen ein langes, dem andern ein kurzes Leben schenken. Urd, Werdandi und Skuld heißen die Nornen. Urd weiß alle Geheimnisse vergangener Zeiten; sie ist die Norne der Vergangenheit. Werdandi teilt den lebenden Menschen ihre Lose zu; sie ist die Norne der Gegenwart. Das Reich der Zukunft gehört der dritten Schicksalsfrau; sie kennt im voraus die Tage, die erst kommen sollen; aus ihrer Hand empfangen die Menschen ihre Todeslose. Skuld ist die Norne der Zukunft.
Viel Unheil erduldet die Esche Yggdrasil, denn Nidhögger, der Drache, und viel gräßliches Gewürm nagen an ihren Wurzeln; Hirsche beißen die Knospen des Baumes ab, und die Ziege Heidrun nährt sich von seinem Laube; aber die hohen Nornen schöpfen Wasser aus Urdas Brunnen und besprengen damit den Weltbaum, daß er nicht dorre und seine Blätter verwelken. Nicht selten reiten die Asen über Bifröst nach Midgard hernieder und halten Rat am Brunnen der Nornen, im Schatten des heiligen Baumes.
Wenn aber am letzten aller Tage Heimdalls Horn durch alle Welten erschallt, dann wird auch Yggdrasil rauschend erbeben und mit Donnerkrachen in Suturs Flammenmeer stürzen.



Walhalla, Walküren, Einherier

Der größte Saal in Odins Haus heißt Walhalla. Er hat 540 Türen und ist von großer Pracht und Herrlichkeit. Säulen und Pforten sind von purem Golde, und an den Wänden hängen Waffen aller Art. Da sitzen in langen Reihen die Einherier, einst ruhmreiche Helden auf Erden, und reden von Kampf und Sieg und Ruhmeskränzen.
Odins wunderschöne Schildmädchen, die Walküren, reichen ihnen die Trinkhörner, gefüllt mit schäumendem Met. Unzählbar sind die Scharen der Männer, die in Walhalla sitzen, Und Jeder von ihnen ist ein Kriegsmann, der auf dem Kampfplatze gefallen ist. Wenn Krieg auflodert, so sendet Odin die Walküren auf das Schlachtfeld. Auf wiehernden Rossen reiten sie durch die Luft; von ihren Helmen und Panzern geht heller Lichtschein aus, und Sonnenstrahlen brechen aus ihren Speeren und Schilden.
Wo ein tapferer Streiter gefallen ist, da sprengen sie herzu, heben ihn aufs Roß und reiten mit ihm über die Himmelsbrücke gen Walhall.
Große Helden empfängt Odin selbst an der Pforte der Halle und geleitet sie zu ihrem Sitz. Dann erheben sich die Einherier und neigen sich ehrerbietig vor den jüngsten Walhallaerben. Die Schildmädchen eilen herbei und setzen duftenden Braten auf die Tafel und reichen in Goldhörnern den Met. So köstlicher Bewirtung erfreuen sich die Einherier alle Tage. Jeden Morgen wird ein großer Wildeber, Sährimnir, auf der Jagd erlebt, und an seinem Fleische erlaben sich die Helden; abends aber läuft das Tier wieder heil und lebendig in den Wald zurück. Den Met liefert die Ziege Heidrun. Jeden Morgen wird ein so großes Faß damit gefüllt, daß alle Helden Walhallas vollauf zu trinken haben. Auch Odin trinkt mit ihnen, das Fleisch aber gibt er seinen beiden Wölfen Geri und Freki, die zu seinen Füßen liegen; denn keiner Speise bedarf der hohe Ase; er lebt von Wein und Met.
Schön ist das Leben der Einherier in Walhall. Morgens in der Frühe kräht Goldenkamm, der Hahn, und weckt die Schläfer. Da erheben sich die Helden vom Lager, legen Helme und Panzer an, umgürten sieh mit guten Schwertern und satteln die stampfenden Rosse. Dann sprengt der Troß aus Walhallas Pforten und reitet auf den Kampfplatz. Hier beginnt ein fröhliches Streiten. Aus der Ferne hört man Rossegewieher und lauten Anruf und Eisengeklirr. Da wogen die Recken wild durcheinander, Speere sausen durch die Luft, es fallen wuchtige Schwerthiebe, Schilde krachen widereinander, und Feuerfunken stieben aus Helmen und Brunnen. Manch gutes Roß wird da über den Haufen gerannt, und ruhmvolle Helden sinken in den Sand.
Und Odin sprengt heran auf seinem Schimmel. Der Goldhelm deckt sein Haupt, und Brust und Leib schirmt die strahlende Brünne. Jauchzender Zuruf begrüßt den hohen Asen, und die Helden neigen vor ihm die Speere. Und Odin freut sich des Kampfes und ehrt die tapfersten Streiter durch huldvolle Worte. Hat der Kampf geendet, so reiten die Helden friedlich miteinander heim, und keiner gedenkt weiter der Hiebe die er von dem andern bekommen. Schon steht in Walhalla das köstliche Mahl bereit, und die Schildmädchen öffnen den heimkehrenden Helden die Pforten. Speere und Schilde werden an die Wand gehängt; die tapfern Mannen setzen sich zu Tische und langen durstig nach den blinkenden Trinkhörnern, die liebliche Jungfrauen ihnen reichen.


Die Hel

Drei unheilvolle Kinder hatte Loki, Odins ränkevoller Bruder, der es mit den schlimmsten Feinden der Götter, den grimmen, verderbensinnenden Riesen hielt.
Das waren die Hel, der Fenriswolf und die Midgardschlange.
Die Hel ist ein Weib von riesiger Gestalt, halb schwarz, halb menschenähnlich, und beherrscht die Unterwelt, das Reich der Toten. Der Weg dahin ist weit. Wenn einer ein windschnelles Roß reitet, so braucht er neun Tage und neun Nächte, um dorthin zu kommen. Unter Nifelheim liegt das Reich der Hel, und der Weg führt durch die dunkeln Täler der Schwarzalben. Man sieht in den Höhlen und Klüften ihre Feuer brennen und hört das tapfere Hämmern der kleinen Gesellen. Doch wohnen auch grimme Riesen an dem Wege, die den Wanderer schrecken und bedrohen; den Guten aber können sie nichts anhaben.
Ewige Dämmerung herrscht in dem Reiche der Hel, nimmer fällt ein Strahl der Sonne in das Land der Toten. Säle sind da, wo goldene Tische und Bänke stehen; und die Guten sitzen dort, trinken Met und gedenken vergangener Zeiten im Lichte der Sonne. Doch nicht allen Abgeschiedenen fällt ein so mildes Los. Wer ins Leben viel Böses begangen, der muß nun eingehen in das Land der Finsternis, der Schrecken und herben Pein, und nimmer kann er daraus entrinnen. Schon aus der Ferne vernimmt sein Ohr Wimmern und Wehklagen und lautes Schmerzgeheul.
Menschen waten da in dem schlammigen Bett eines reißenden Stromes, der scharfe Schwerter fortwälzt, und schrecklich ist der Anblick dieser Armen. Sie werden niedergerissen von den Wogen und übel zugerichtet von dem scharfen Eisen. Jenseits des Stromes steht eine Halle, die mit eitel giftigen Schlangen gedeckt ist. Die Köpfe des scheußlichen Gewürms sind in den Saal gekehrt, und sie speien ätzendes Gift herab auf die Verdammten, deren Schmerzgeheul Mark und Bein durchdringt.
Die schlimmsten Verbrecher kommen an einen Ort, wo Nidhögger und andere blutgierige Drachen hausen. Ein herzzereißendes Wehgeschrei wird da vernommen. Die Drachen fallen über die unglücklichen Opfer her und zerfleischen ihre Leiber und saugen ihnen das Blut aus.
Wer da eingehen muß, der ist wohl sehr zu beklagen.


Der Fenriswolf


Im Lande der Riesen erwuchs Lokis unholdes Geschöpf, der Fenriswolf. Die Asen fürchteten, er werde sich mit den Riesen zu ihrem Verderben verbünden, darum holten sie ihn gen Asgard. Bald aber ward er so groß und stark, daß selbst die mächtigen Götter ihn scheuten; Tyr, der Kriegsgott, allein hatte keine Furcht vor ihm und reichte ihm das Futter.
Immer größer ward der Wolf. Wenn er das Maul aufsperrte, so berührte der Oberkiefer den Himmel und der Unterkiefer die Erde, und wenn er heulte, so packte Schrecken und Graus alle lebenden Wesen.
Und Odin berief die Asen zur Beratung. Sie gingen in die Richtlhalle und setzten sich auf die goldenen Stühle.
"Ich habe euch hierher geladen", begann der Weltenvater, "damit wir ersinnen, wie der Fenrir zu bändigen sei."
Da sprach Thor, der Starke: "Ich will hingehen und ihn mit meinem Hammer erschlagen."
"Nicht also", erwiderte Odin, "auf daß man nicht sage: Sie haben Asgard mit Fenrirs Blut besudelt."
"So lasset uns ihn aus Asgard hinabstürzen, so werden seine Glieder zerschmettert, und er mag uns dann nimmer schaden", sprach Tyr, hohen Mutes voll.
Das deuchte manchem wohl gesprochen; allein Forseti, der Weise und Gerechte, entgegnete:
"Ich glaube doch nicht, daß ihm der Sturz viel schaden könnte, und er ginge dann voll Ingrimm zu den Riesen und brütete mit ihnen schlimme Rachegedanken."
"Forseti hat weise gesprochen", nickte Odin. "Mein Rat ist: Lasset uns den Wolf binden mit unzerreißbaren Stricken."
Dieser Vorschlag schien allen Asen der beste, nur wußten sie nicht, ob es gelingen werde, dem Wolf die Stricke anzulegen. Wir müssen ihn mit schlauen Worten überlisten", sprach Odin.
"Wenn wir ihm sagen, er könne nimmer berühmt werden, wenn er seine große Kraft nicht einmal erprobe, so wird er sich fesseln lassen; denn sein Gemüt ist eitel und sehr hoffärtig.
Steh nun auf, Hermut, und hole die Kette, welche Läding heißt, aus Walhalla; bring auch Droma mit, die weit stärkere Fessel; ich sollte doch wohl meinen, er wird weder Läding noch Droma zerreißen können."
Hermut erhob sich, eilte gen Walhall und brachte die Fesseln. Die waren dick und stark, und Odin hielt sie empor und rief: "Versuchet es einmal, ihr Asen, die Ketten zu zerreißen! Den will ich fürwahr einen starken Mann nennen, der Läding oder Droma zerbrechen kann!"
Da nahmen die Asen die Stricke und setzten ihre ganze Kraft daran, sie zu brechen; aber so sehr sie sich auch mühten, es wollte keinem gelingen. Als auch Thor seine Kraft vergeblich versucht hatte, gab er die Ketten aus der Hand und rief grimmgemut: "Bei meinem Hammer! Es gehört große Kraft dazu, Läding und Droma zu brechen!"
"So lasset uns denn nicht länger säumen" sagte Odin und erhob sich. Wie der Wolf die Götter kommen sah, dachte er sogleich sie möchten wohl Schlimmes wider ihn im Schilde führen, und er sprang auf und öffnete drohend seinen Rachen gegen sie. Odin aber sprach zu ihm: "Denke nicht, Fenrir, daß wir gekommen sind, dir zu schaden. Wir haben gedacht, wie du nun so groß und übermächtig an Kraft bist und doch bisher weder Ruhm noch Ehre erworben hast. Wohlan denn! Laß dich binden mit dieser Fessel, die du wohl leicht zerbrechen kannst, damit man deinen Namen rühme und sage: Fenrir ist wahrlich von großer Stärke, denn er hat Lädiaig zerrissen."
Wenig traute der Wolf diesen schlauen Worten. Schweigend betrachtete er die Kette. Sie war wohl dick und stark; allein für seine Kraft deuchte sie ihn doch nur ein schwaches Spielzeug, und er willigte ein, sich binden zu lassen. Kaum aber spürte er die Fessel, so streckte er seine Glieder, und Läding fiel zerrissen zur Erde. Darob erstaunten die Asen und wurden schier blaß vor Schrecken. Odin aber faßte sich rasch und rief: "Heil, Fenrir Deine Kraft ist groß, Läding hast du zerbrochen. Weit größeren Ruhm aber könntest du noch gewinnen, wenn du auch Droma zerreißen wolltest, denn Droma ist stärker als Läding."
Der Wolf besah die zweite Fessel und dachte dann, er könne wohl auch diese bezwingen. Darüber freuten sich die Asen heimlich, denn sie glaubten, nun sei Fenrir sicher verloren. Droma ward fest um seine Glieder geschlungen. Er dehnte sich und spürte wohl die größere Stärke dieser Fessel. Da gebrauchte er seine ganze Kraft, und siehe! Droma zerbrach und fiel ab von ihm. Den Asen schwand der Mut; Odin sprach jedoch mit erheuchelter Freude:
"Nun wird dein Ruhm in allen Welten erschallen, Fenrir, denn du hast Läding und Droma zerbrochen." Darauf verließen die Götter den Wolf, und dieser freute sich seiner Stärke und gedachte mit nicht geringem Stolze des Ruhmes, den er sich erworben.
"So wäre denn unsere List an der Kraft dieses Unholdes zuschanden geworden", begann Odin die Rede, als sie sich niedergelassen hatten auf die Richterstühle, um weiteren Rats zu pflegen. Da nahm Thor das Wort und sprach: "Auf meinen Fahrten gen Riesenheim bin ich auch durch das und der Schwarzalben gekommen. Weit berühmt ist die Schmiedekunst dieses Zwergvolkes, und ich sollte meinen, es könnte wohl eine neue Fessel schmieden, die keine Kraft zu brechen imstande wäre."
Aus diesen Worten schöpften die Asen frische Hoffnung, und Odin erwiderte: "Mein Sohn Thor scheint mir nicht b1oß der erste an Stärke zu sein. Auf lasset uns sehen, ob die klugen Zwerge ihre Kunst verstehen."
Da ward Skirnir, Freyrs Diener, gerufen, und Odin sprach zu ihm: "Skirnir, sattle mein Roß und reite in das Land der schwarzen Zwerge. Und also sollst du sagen zu den kleinen Meistern: "Dafern ihr die Gunst der hohen Asen nicht einbüßen wollt, so schmiedet ihnen ein Band, das sich durch keine Kraft zerreißen läßt. Alsogleich zäumte Skirnir Odins Hengst Sleipnir, schwang sich auf seinen Rücken und sprengte wie der Sturmwind von dannen. Bald kann er zu den Zwergen und sagte ihnen die Botschaft der Asen. Da schmiedeten die klugen Meister ein Band aus sechs Dingen:
Aus dem Bart der Weiber, aus dem Schall des Katzentrittes, aus der Stimme der Fische, aus, dem Speichel der Vögel, aus den Sehnen der Bären und aus den Wurzeln der Berge.
Dieses Band war so dünn und weich wie ein Seidenband und hieß Gleiper. Skirnir brachte es den Göttern. Diese konnten sich nicht genug verwundern über die kunstvolle Arbeit, und sie nahmen der Zwerge Meisterwerk und begaben sich damit zu dem Wo1fe.
,,Höre, Fenrir", so sprach Odin, "deine Kraft ist über die Malßen groß, denn du hast Läding und Droma zerbrochen; so laß dich nun auch fesseln mit diesem Bande, damit du es zerreißest und dein Ruhm seinesgleichen nicht habe."
Der Wolf besah sich Gleipnir und sprach: "Ich werde mich damit nicht binden lassen." Denn er dachte bei sich: sie haben Arges mit mir vor, und ich fürchte gar sehr, daß Zauberei bei dieser Fessel im Spiele ist.
"Du handelst übel, Fenrir", versetzte Odin, "denn nun wird man sagen: "Dein Mut ist gering, aber groß deine Feigheit."
Als der Wolf diese Worte hörte, stieß er ein Wutgebrüll aus, und gräßlicher Schaum floß aus seinem Maul.
"ihr wollt mich verderben!" schrie er, "darum heißet ihr mich feige. Wohlan! einer von euch möge seinen Arm in meinen Rachen legen, dann will ich mich fesseln lassen. Kann ich Gleipnir nicht zerbrechen, so beiße ich ihm den Arm ab.
Das hatten die Asen nicht erwartet, und sie standen betreten und schwiegen still. "Da sieht man wohl, wer mit Recht feige gescholten werden kann", höhnte der Wolf.
"Spare die unnützen Worte, Fenrir", erwiderte Tyr, "hier ist das Unterpfand!" Damit steckte er seinen Arm dem Untier in den Rachen.
Nun ward der Wolf gefesselt, und er mühte sich umsonst, alle seine Kräfte reichten nicht aus, Gleipnir zu zerreißen. Als das die Asen sahen, lachten sie; nur einer lachte nicht, und das war Tyr; denn er verlor den Arm.
Fürchterlich heulte der Wolf und schnappte nach den Göttern, sie zu verschlingen; aber sie stießen ihm ein Schwert in den Rachen, daß ihm das Maul gesperrt ward. Darauf schleppten sie ihn fort aus Asgard in ein fernes, tiefes Tal, fanden dort einen ungeheuren Felsen, wanden um denselben das Seil und verankerten den Felsen tief im Grunde der Erde.
Allda liegt der Wolf bis zum Untergange der Welt.


die Midgardschlange


Groß ist das Meer, denn es umgürtet die Erde wie ein Ring. Ebenso groß ist auch die Midgardschlange, Fenrirs Schwester, denn ihr Leib reicht von einem Ende des Meeres bis zum andern. Scheußlich ist sie anzuschauen; selbst hartgemute Riesen erbleichen bei ihrem Anblick.
Ihre Kraft ist unermeßlich, und nur wenig mag sie dem Wolfe an Stärke nachstehen. Wenn sie sich regt und streckt, dann schlägt das Meer hohe Wellen, und die Schiffe kommen in große Gefahr. Wird aber ihr Zorn aufgestachelt, so peitscht sie dem Sehwanze die Flut, und es wütet und brüllt das Meer, haushohe Wogen schäumen gegen den Wall hin, welchen gütige Asen am Strande erbaut haben; Midgard wird überschwemmt, und Menschen und Tiere finden den Tod in den Fluten.
Einst, am Ende der Welt, wird der Wurm fürchterlich wüten; im letzten groß Kampf aber wird Thor mit zermalmenden Hammerhieben seinem Leben ein Ende machen.



Odin und Frigg

Odin ist der vornehmste und höchste aller Asen; er ist der Vater der Götter und Menschen.
Wenn er auszieht zum Streite mit den Helden Walhallas, so deckt ein Goldhelm sein Haupt, die Brust schirmt ein blanker Panzer, zur Seite hängt das kostbare Schwert, und in der Hand führt er Gungnir, den fernhintreffenden Wurfspieß.
Doch nicht immer erscheint er in so glänzender Rüstung. Als schlichter Wandersmann trägt er einen blauen Mantel und auf dem Kopfe einen breiten Hut. Der Bart wallt ihm tief auf die Brust herab. Nur ein Auge hat der hohe Ase; dieses aber ist groß und strahlend wie die Sonne. Das andere hat er dem Riesen Mimir zum Pfande geben müssen, da dieser ihm einen Trunk aus seinem weisheitsvollen Brunnen verstattete. Nicht selten erscheint Odin sogar als kleines, gebücktes Männchen mit grauem Bart und kahlem Haupte, auch nimmt er wohl, wenn es ihn gut dünkt, die Gestalt eines Vogels oder einer Schlange an.
Sitzt er zu Tische mit den Helden Walhallas, so liegen die Wölfe Geri und Freki zu seinen Fü&ßen. Hugin und Munin, zwei nachtschwarze Raben, sitzen auf seinen Schultern. Jeden Morgen erheben sie sich und fliegen aus in die weite Welt, und mittags kehren sie wieder und flüstern dem We1tenvater alles in die Ohren, was sie auf weitem Fluge gehört und gesehen haben.
Sleipnir heißt sein Roß. Es ist grau von Farbe, hat acht Füße läuft so schnell wie der Wind. Durch wehende Luft, über Wasser und Land trägt es seinen Herrn mit gleicher Windschnelle, darum darf man wohl sagen, daß Sleipnir das beste und edelste aller Rosse ist.
Odin ist der Gott des Krieges und Lenker der Schlachten. Das Klirren der Schwerter und der Schilde Gekrach: das ist Musik für sein Ohr. Wo Kriegsmannen scharfe Schwerthiebe tauschen, da weilt er gern, und große Helden sind seine liebsten Gesellen. Ihnen wendet er Glück zu im Kampfe und verleiht an sie seinen Spieß Gungnir, der nimmer das Ziel verfehlt.
Doch ist Odin auch der Gott der Dichtkunst und hoher Weisheit, die er niedergeschrieben hat in Runen, Asen und Menschenkindern zur Lehre und Bildung.
Seine Gemahlin heißt Frigg. Sie ist von großer Schönheit, ist das hohe Vorbild aller sorgsamen Hausfrauen und teilt mit Odin den Thron Hlidskialf, von welchem sie alle Welten überschauen können.
Ihr schönster und geliebtester Sohn ist Baldur, der lichte Ase, und viel Herzeleid hat Frigga um seinetwillen erduldet.
Odins Tag war der Mittwoch, der heute noch in England Wednesday (Wodanstag) heißt



Thor und Sif


Odins gewaltigster Sohn ist Thor, der mächtige Gott des Donners; seine Mutter ist Jörda, die Erde.
Er ist von hoher Gestalt, breit sind Brust und Schultern, und in seinen Armen wohnt ungeheure Kraft; selbst Riesen können sich mit seiner Stärke nicht messen. Rot ist das Haar seines Hauptes, feuerrot sein krauser Bart, und wenn er zornig ist, so bläst er durch den Bart, daß es wie Sturmebraus durch den Himmelsraum schallt.
An Mut kommt ihm kaum einer gleich; das hat er oftmals kundgetan, wenn es galt, mit unholden Riesen zu streiten. Wohl besitzt er auch treffliche Waffen zu solchen Kämpfen. Sein Hammer Miölnir, den kunstreiche Zwerge geschmiedet haben, ist berühmt bei Asen und Menschenkindern und gefürchtet bei den Riesen; denn stets trifft er das Ziel und kehrt nach jedem Wurfe sogleich in die Hand des mächtigen Donnerers zurück. Große Zauberkraft ist in Miölnir verborgen, denn mit ihm vermag Thor Tote zu erwecken. Will er den Hammer zum harten Streite führen, so zieht er rauhe Eisenhandschuhe an, anders kann er den heißen Schaft nicht fassen. Gilt es einmal einen schweren Kampf, so spannt der mächtige Donnerer einen Kraftgürtel um seinen Leib der ihm doppelte Stärke verleiht. Also gerüstet, wer vermöchte mit Asathor siegreich zu kämpfen! Weder Götter noch Menschen besitzen so große Kraft, und vor seinen Hammerhieben zittern die Riesen, denn schon manchem von ihnen hat er das Haupt zerschmettert.
Oftmals wandert Thor zu Fuß über Bifröst gen Midgard hernieder oder nach Riesenheim; nicht selten aber fährt er auch in einem wetterwolkenfarbigen Wagen. Nicht wiehernde Rosse hat er davorgespannt, sondern zwei schnellfüßige Widder: Zähneknirscher und Zähneknisterer. Fährt er von Asgard über die Himmelsbrücke, so rollt Donner über Midgard hin und Blitze zucken durch die Luft: das kommt von dem Rollen der Wagenräder, dem Zähneknirschen der Widder und dem flammenumzuckten Hammer.
Thors Gemahlin heißt Sif. Sie ist schön; und ihr Haar ist von lauterem Golde. Das hat der arglistige Loki von kunstreichen Zwergen erworben, da er der Sif aus Bosheit alles Haar abgeschnitten hatte und ihm dann Thor für diese Freveltat mit schlimmen Hammerhieben drohte.
Thors Söhne heißen Modi und Magni (Mut und Macht). Von ihnen wird gesagt, daß sie ihrem Vater an Kraft nur wenig nachstehen. Sein treuer Diener ist der hurtige Thialfi. Dieser begleitet seinen Herrn auf allen seinen Fahrten und ist so schnell wie der Blitz.
Menschenkinder haben Ursache, den mächtigen Donnerer zu preisen. Er schützt sie gegen die Wut der Midgardschlange, denn sonst hätte das Meer schon längst den schirmenden Wall durchbrochen; er streitet für sie gegen grimme Berg- und Frostriesen, denn diese Unholde hassen die Menschen und wollen die fruchtbare Erde in eine Wüste verwandeln; er zerschlägt die Wetterwolke, daß sie den durstigen Fluren erquickenden Gewitterregen spendet; er läßt die Saaten wachsen und die Früchte des Feldes reifen, damit die Menschen ihre Scheuern füllen können und nicht verderben vor Hunger.
Von ihm hat der Donnerstag seinen Namen erhalten, und in dem Sternbilde der "große Wagen" oder "Bär" erblickten unsre Vorfahren des Donnergottes Gefährt. Auch sein Hammer ist noch nicht vergessen: soll irgendwo in deutschen Landen ein großer Bau aufgeführt werden, so wird der Grundstein mit drei Hammerschlägen geweiht: mit Thors Hammer, dem Sinnbilde göttlichen Schutzes.


Tyr


Tyr ist Odins Sohn und ist, wie sein Vater, Gott des Krieges.
Er ist groß und sehr stark, und nur sein Bruder Thor kann sich an Kraft und Mut mit ihm vergleichen. Das hat er bezeugt, als es galt, den schrecklichen Fenrir zu füttern; auch war er der einzige, der nicht zagte, dem Wolfe den Arm in den Rachen zu legen. Wohl hat er seit jenem Tage nur einen Arm, aber das hat ihm wahrlich keine Schande gebracht, und wollte jemand es wagen, Ihn darum zu verspotten, so würde Tyr nicht säumen, den Elenden sofort zu Boden zu schlagen; denn nicht lange besinnt sich der starke Ase, das Schwert zu ziehen, wo Streit auflodert.
Krieg ist seine höchste Lust, und nur an einem Helden hat er Freude. Wer feige ist im Kampfe, der mag vor seinem Zorn erzittern; denn unsichtbar für Menschenaugen naht der Gott: seine blitzende Klinge zischt, und jeder Streich macht einen toten Mann. Wo er hingegen fröhlichen Mut und große Tapferkeit gewahrt, da naht er mit seiner Hilfe; da stellt er sich selbst in den Vorderkampf, und dann ist kein Entrinnen für den Feind.
Kriegsmannen, die seine Stärke wohl kennen, versäumen nimmer, vor Ausbruch des Kampfes den mächtigen Asen um Hilfe anzurufen.
Hoherr Tyr, groß in Kraft und Heldentum, sei uns nahe im Streit, daß wir nicht wanken noch weichen! Schrecke den Feind und schenke uns den Sieg, so wollen wir dich preisen in Liedern und ehren mit Heldenblut! Asatyr, fortan sollen deine Altäre rauchen und deine Feuer im weiten Lande lodern!"
Also rufen die Streiter, und der starke Ase freut sich der Verehrung und verleiht ihnen Sieg und Ruhm.
Sein Tag ist der Dienstag (Ziustag), der ihm zu Ehren diesen Namen trägt. Odin, Thor und Ziu galten bei vielen germanischen Völkerschaften als die drei höchsten Götter.



Baldur und Nanna

Viele hohe und herrliche Gestalten wandeln in Asgard und über die Menschenerde, doch wer dürfte sich an Schönheit mit Baldur vergleichen!
So lieblich ist das Licht seiner Augen, daß die Kamillenblume, dies erdentsprossne lichte Sonnenbildchen, den Namen "Baldursbraue" erhalten hat. Hoheit und göttliche Huld leuchten auf seiner Stirne, und die Spiegelbilder seiner Gedanken überschütten mit goldigem Rosenlicht seine Wangen.
Baldur ist der Gott des Lichtes, der holden Sommertage, der Frömmigkeit, Reinheit, der Milde und Güte.
Im ewigen Sonnenächte steht sein Haus Breidablick; ringsumher ist Himmelsfriede, und nie vernimmt hier das Ohr rauhes Scheltwort oder Schwerthieb und schlimmes Eisenklirren. Hier waltet Baldur, der gute Ase, mit Nanna, seiner Gemahlin. Götter und Menschenkinder haben ihn lieb, und den Worten seines Mundes lauschen die hohen Asen mit Wohlgefallen, denn sinnvolle Weisheit künden seine Lippen, und seine Zunge spricht immer zum Frieden. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn gesagt wird, daß noch niemand Baldur gescholten.
Doch finstere Mächte ruhen nimmer. Sie sinnen und trachten, Göttern und Menschenkindern zu schaden. Auch Baldur sollte von ihrer Tücke nicht verschont bleiben, und er, der Allgeliebte, Schuldlose, mußte früher eingehen in das finstere Reich der He1.

Forseti


Forseti ist Baldurs Sohn; er ist der Richter im Reiche der Asen.
Glitnir (Gleißner) heißt sein Haus. Auf goldenen Säulen ruht das Silberdach; weit ist die Halle und prächtig darin alles Gerät. Asen und Asinnen gehen da ein und aus; denn vor Forsetis Richterstuhl versammeln sich alle, die Streit zu schlichten haben. Und keiner kehrt schlecht beraten heim, jedem wird sein Recht, und mit klugen Worten und milder Rede weiß der Ase die Streitenden zu versöhnen.
Die Insel Helgoland hieß vormals Fosites Land, d. h. das Land des Forseti. Dort sprudelte der heilige Brunnen des Gottes, aus dem man nur schweigend Wasser zu schöpfen wagte. Das Wild, welches sich zu dieser Quelle flüchtete oder an ihren Borden weidete, war sicher vor dem Speer des Jägers und seinen todbringenden Pfeilen, denn kein Sohn der Erde mochte an diesem heiligen Orte Blut vergießen.
Selbst freche Seeräuber scheuten sich, die Insel des gerechten Asen beutelüstern zu betreten; denn wehe, wenn sie den Zorn des Gottes entfacht hätten! Ihr Schiff wäre nimmer durch feindliche Klippen gekommen, sondern Forseti hätte es daran zerschmettert und die freche Räuberbrut in die bodenlose Tiefe geschleudert.



Ägir und Ran, Niördr und Skadi

Der alte Beherrscher des Meeres ist Ägir, ein Riese.
Er wohnt nicht in Asgard, der schönen Götterstadt, sondern auf einer Insel im Meere.
Der Zwölfzahl der Götter Asgards gehört er nicht an, doch wird er von den Asen fast als ihresgleichen angesehen. Er ist sehr reich; alle Schätze, die das Meer birgt, betrachtet er als sein Eigentum. Sein Palast strahlt von Gold und edlem Gestein; und mag es draußen auch finstere Nacht sein - in seinen Hallen ist es stets licht und freundlich: so hell strahlt das Gold an den Wänden, Säulen und Decken.
Ägir ist oft milde gesinnt und heiter wie das Meer in seiner Stille und sommerlichen Bläue. Gern kommen die Asen zu ihm zu Gaste, und stets ist die Bewirtung reich und gut. Am liebsten sitzt er mit Bragi, dem Gott der Dichtkunst, beisammen. Dann spielt Bragi die Harfe und singt uralte Lieder, Ägir aber lauscht gedankenvoll, und sein Antlitz strahlt so milde und freundlich, wie an Sommertagen der Spiegel des Meeres.

Ägirs Gemahlin heißt Ran. Dem sturmgepeitschten Meere gleicht ihr Gemüt; auf Unheil ist ihr Sinn gerichtet, und dann ist sie am glücklichsten, wenn sie mit ihren Töchtern auf schäumenden Wellenrossen einherjagen und die Schiffer in Angst und Schrecken, in Tod und Verderben stürzen kann. Vor Ran und ihren wilden Töchtern fürchtet sich darum der Schiffer, und nicht rüstet er sich zur Ausfahrt, ohne zuvor Ägir zu bitten, ihn vor der Tücke seines Weibes und ihrer Töchter zu schützen.

Ein göttlicher Meerbeherrscher ist Niördr oder Nord. Er stammt von den Wanen, einem Göttergeschlecht vom Strande des Meeres. Nach einem Kriege, den die Wanen mit den Asen geführt, ward er als Unterpfand des Friedens gegen den Asen Hönir, Odins Bruder, ausgetauscht; so kam er mit seinen beiden Kindern Freyr und Freya nach Asgard und baute sich an der Wassergrenze sein Haus Noatun, das er gar prächtig eingerichtet hat, denn er ist sehr reich. Seine Gemahlin Nerthus aber verblieb bei den Wanen und ward dort hochverehrt. Fahren Fischer auf Beute in die See, so suchen sie zuvor Huld und Gunst des mächtigen Nord zu gewinnen; denn ihm gehören die Fische, und er schenkt sie, wem er will.

Die zweite Gemahlin Niördrs heilt Skadi; sie ist die Tochter des Riesen Thiassi. Ihren Vater hatten die Asen erschlagen; da legte sie kriegerische Rüstung an und fuhr gen Asgard, um Vaterbuße von den Göttern zu fordern. Die Asen aber luden sie zum Gastmahl und gelobten ihr Ersatz für den erschlagenen Vater; auch sollte sie einen von ihnen zum Gemahl erkiesen, ohne mehr von ihm zu sehen als die Füße. Skadi besah die Füße der Götter, und als sie die schönsten herausgefunden hatte, rief sie aus: "Diesen Asen erwähle ich mir; er ist der schönste und ganz ohne Fehl und kann kein anderer sein, denn Baldur!"
Es war aber nicht Baldur, sondern Nord, und Skadi ward seine Frau und wohnte nun mit ihm in Noatun. Aber wie prächtig auch dieser Palast eingerichtet war, Skadi wollte doch lieber auf den rauhen Felsen in Riesenheim wohnen, wo die Burg ihres Vaters stand. Das wollte dem Nord nicht in den Sinn: denn er hauste gern in Noatun, wo die Möwen vom Meere hergeflogen kamen. Und sie verglichen sich dahin, daß sie nenn Tage und Nächte in Noatun und dann wieder ebensolange in Riesenheim wohnen wollten.
Doch wollte es dem hohen Asen nur wenig behagen in Riesenheim, und er klagte:
"Leid sind mir die Berge, und schaurig klingt mir der Wölfe Geheul; aber in Noatun singen die weißen Schwäne lieblichen Gesang."
Skadi aber sagte dagegen:
"Wie schön sind die Berge mit blitzendem Eis, ringsum die Burg meines Vaters! Aber in Noatun schreien die Vögel der See; da flattert die Möwe ans Fenster und schreckt mich mit heiserem Ruf aus dem Schlaf. Drum wohne ich ungern in Noatun."
Und Skadi machte sich auf, zog wieder gen Riesenheim und wohnte in ihres Vaters Burg. Da ist sie froh und glücklich und jagt auf Schneeschuhen mit Bogen und Pfeilen windschnell den gierigen Grauwolf und den zottigen Eisbär und die Wildgans und das flatternde Schneehuhn.



Freyr, Gerda, Freya und Ostara


Alfheim heißt die Halle, welche Freyr, der schöne, stolze Ase, bewohnt.
Würzigen Met trinkt er da mit Gerda, seiner Gemahlin. Freyr ist ein lichter, gütiger Ase. Hold gesinnt ist er den Menschenkindern, und selten mag er ihnen eine Bitte abschlagen. Er herrscht über Regen und Sonnenschein und läßt wachsen die Saat auf dem Felde, und es mag wohl frommen, wenn der Landmann zur Zeit der Dürre ihn um erquickendes Naß anruft.
Freyrs Diener ist der kluge und treue Skirnir (Schirner); der hat ihm seine Gemahlin Gerda geworben und sich auf dieser Brautfahrt großen Ruhm gewonnen.
Will Freyr ausfahren, so schirrt Skirnir den hurtigen und sehr starken Eber vor den Wagen, welcher Gullinbursti (Goldborst) heißt; denn pures Gold sind seine Borsten, und sie leuchten wie Feuerflammen. Mag nun auch Freyr durch finstere Wälder oder tiefes Nachtdunkel fahren, auf seinen Wegen ist es stets taghell; denn wie tausend Kerzen strahlen die Borsten seines Ebers.
Auch ein treffliches Schiff besitzt Freyr, das heißt Skidbladnir (Schneeschuhblatt) und ist von klugen Zwergen gar kunstvoll gefügt. Immer hat es guten Fahrwind, sobald seine Segel aufgehißt werden, mag man auch fahren, wohin man will. Es ist so groß, daß alle Asen mit ihren Waffen und ihrem gesamten Heergerät Raum darin haben, und doch kann man es wie ein Tuch zusammenfalten und bequem in der Tasche tragen. So über alle Maßen kunstvoll ist Skidbladnir, Freyrs Wolkenschiff, geschaffen.

Freyrs Schwester Freya ist die Königin der Walküren und die schönste und vornehmste Göttin neben Frigga. Die Hälfte aller Helden, welche im Kampfe fallen, gehören ihr zu und reiten nach Volkwang, ihrer herrlichen Halle, wo ihnen die holde Fürstin mit eigenen Händen den Met einschenkt. Will Freya auf das Schlachtfeld eilen, so legt sie ihr Federhemd an und fliegt gleich einem Falken über Land und Meer.
Einst hatte sie einen Gemahl mit Namen Odur. Der hat sie treulos verlassen und ihr dadurch großes Herzeleid bereitet. In allen Landen hat sie ihn vergeblich gesucht und heiße Tränen um ihn vergossen; alle ihre Tränen aber wurden zu köstlichen Goldperlen, und der mochte sich freuen, der ihren Pfad betrat und die Tropfen erblickte.

Ihre Tochter heißt Nossa und ist von unvergleichlicher Schönheit. Wenn einer Jungfrau höchster Liebreiz eigen ist, so pflegt man wohl zu sagen: "Sie ist schön wie Nossa, Freyas Tochter."
Einen Halsschmuck besitzt Freya, der aus den kostbarsten Perlen und Edelsteinen besteht, die der Schoß der Erde und des Meeres je gehegt hat. Er gleicht dem gestirnten Himmel an funkelnder Pracht.
Statt der Rosse läßt sie zwei Katzen vor ihren Wagen schirren, wenn sie ausfahren will, heilig sind ihr diese Tiere, und wer sie gut füttert und pflegt, der mag wohl die Gunst der hohen Göttin gewinnen.
Freya ist die Göttin der Liebe, des Brautstandes und der Ehe.
An ihrem Tage, dem Freitage, pflegte man die Hochzeiten zu feiern, und hatte die Braut die Katzen gut gehalten, so verlieh Freya ihr sonniges Wetter am Hochzeitstage und Glück in der Ehe.
Sie ward auch Frouwa genannt, woraus der schöne Ehrenname "Frau" entstanden ist.

Ihr nahe verwandt ist Ostara, die holde Bringerin des Frühlings, die dem Osterfeste den Namen gegeben.




Heimdall


Heimdall, Odins Sohn, bewohnt die prächtige Himmelsburg am oberen Ende der Asenbrücke.
Sein Amt ist, Asgard zu hüten und Bifröst zu überwachen, damit keines unholden Riesen Fuß die Himmelsbrücke betrete.
Äußerst scharf ist sein Auge: er kann den weiten Weg vom Himmel zur Erde übersehen. Seine Ohren sind nicht minder gut. Er hört das Gras auf dem Felde und die Wolle auf den Schafen wachsen, und selten bleibt ihm ein Ton im Weltall verborgen. Er bedarf nicht mehr Schlafs als ein Vogel und erwacht von dem geringsten Geräusch.
Von purem Golds sind seine Zähne: "Morgenstunde hat Gold im Munde" auch die Mähne seines Hengstes ist golden. Sehr berühmt ist sein Schwert, nicht minder aber auch seine Posaune, das Giallarhorn, welches er an der Seite trägt. Sollten die Riesen einmal in frechem Übermut Asgard erklimmen wollen, so würde Heimdall die Posaune blasen und die Asen zum Streite aufrufen, dann dürfte den grimmen Gesellen ihr Vorhaben wohl übel belohnt werden.
Einst, wenn der Fenriswolf los sein wird und die Midgardschlange, wenn alle Unholde von Loki zum letzten Streit geführt werden, dann wird Heimdall so gewaltig ins Horn stoßen, daß der Ton durch alle Welten erschallen wird. Dann werden hartgemute Riesen erblassen und Zwerge und Menschenkinder zittern und ächzen vor Furcht: die Asen und Walhallas Helden aber werden zum letzten großen Kampfe rüsten, der Himmel und Erde vernichten wird.
Heimdall ist ein Freund der Menschen, und gern wandelt er über Midgard hin, ordnet Pfade und Straßen, gibt den Leuten gute Ratschläge und bringt Segen in das Haus, wo er einkehrt.

Er hat die menschlichen Stände geschaffen: Knechte, Bauern und Edle, und hochgerühmt wird seine Weisheit. Rigr, Iring und lrmin nennen die Menschen diesen göttlichen Wanderer.




Bragi und Idun

Schön ist Bragi; sein Antlitz leuchtet von sinnigen Gedanken.
Aus seinen Augen sprüht das heilige Feuer der Begeisterung. Hoheit thront auf seiner Stirn, und jedes Wort seines Mundes ist ein Goldkorn tiefer Weisheit. Tönende Lieder fließen von seinen Lippen, und seine Rede ist lieblicher, denn die Stimme des Waldes und das Rauschen der Wasser, die von den Bergen rieseln. Sein Bart wallt tief auf die Brust herab, und keiner der Asen hat eine so stolze Hauptzierde wie Bragi, der langbärtige Ase.
Er ist der Gott des Gesanges, der Dichtkunst und der Beredsamkeit. Von ihm haben Sänger und Dichter ihre Gaben, und ihm dankt der Redner die sprachgewandte Zunge.
Außer seinem Vater Odin kann sich keiner der hoben Asen noch der Männer der Erde an Tiefe des Sinnes und Weisheit der Gedanken mit Bragi messen, noch darf sich ein Sänger oder Dichter rühmen, daß seine Kunst, der des Gottes gleichkomme.
Er kennt viele Sagen und Geschichten ans grauer Vorzeit, die längst verschollen wären und von denen man keine Kunde mehr erhalten könnte; und wenn er auch das Schwert nicht führt und kein Freund ist vom männermordende Kampfe, so genießt er doch hohe Ehren im Kreise der Asen, und nur die Zunge der Bosheit mag seinen Ruhm antasten.

Bragis Gemahlin ist Idun. Ihr haben die Asen einen kostbare Schatz zur Hut anvertraut: elf goldene Äpfel von wunderbare Zauberkraft. Wenn die Götter verspüren, daß sie altern und ihre Kräfte schwinden, so essen sie von den Äpfeln und werden wieder blühend, jung und stark.
Gar sorglich hütet ldun in einem Körbchen den Schatz, und doch ward er ihr einmal auf Lokis Anstiftung durch den Riesen Thiassi geraubt.
Da schwebte das größte Unheil über der Welt. Die Asen wurden grauhaarig und kraftlos und konnten dem Schlafe nicht widerstehen. Selbst Heimdall, der sowenig Schlaf braucht, schloß die Augen und neigte das Haupt schlummermüde auf die Brust.
Wenn es nicht bald gelungen wäre, die goldenen Äpfel wieder zu erlangen, so hätten die finstern Mächte Asgard gestürmt und die Weltordnung wäre schier zuschanden geworden.
Idunas wunderkräftige Äpfel sind die Früchte der Weltesche; sie sind Sinnbilder der höchsten Poesie, die auch in Bragis Liedern erklingt und Götter und Menschen erquickt und verjüngt. Wen einmal die Poesie verstummt, dann verwildern Götter und Menschen, dann werden sie grauhaarig und schwach, und die Welt ist reif zum Untergange.
Einst wird der Tag kommen...




Hödr und Vali


Hödur, Odins Sohn, ist blind.
Er ist der Gott des Winters und gebietet über Frost und Schneesturm. Wenn seine Herrschaft beginnt, so hat alles Schöne auf Erden ein Ende: Gras und Blumen verwelken, das Laub fällt von den Bäumen, und die lustiges Vogelstimmen verstummen.
Sein Geselle ist Hräswelg, ein Riese in Adlergestalt. Dieser sitzt hoch im Norden, an der Stirn der Erde, und auf Hödurs Wink erhebt er sich und schlägt mit den Flügeln. Dann ächzt und stöhnt es in den Lüften, eisige Nordstürme heulen, grauschwarze Wolken jagen über Midgard hin, und in dichten Flocken wirbelt Schnee ohne Maß zur Erde nieder. Alle Gewässer erstarren zu Eis, und still wird's im weiten Raume der Welt, wie im Reiche der Toten.
Götter und Menschen scheuen Hödurs Herrschaft, und der blinde Ase hat nur wenig Freunde. Allen zum Abscheu aber ist er geworden, seit Baldur durch seine Hand gefallen ist. Wohl war er nicht schuld an des guten Gottes Tode, denn er wollte nicht, was er tat; aber das vergossene Blut schrie um Rache, und Hödur muße getötet werden.

Vali, der junge Frühlingsgott, schickte den finstern Winterbeherrscher hinab in das Reich der Hel. Und keine Zeit gönnte sich Wali, ehe er das Werk der Rache vollbracht hatte. Nicht kämmte er sein Haar, noch wusch er sich Hände und Haupt, bis Baldurs kostbares Blut gesühnt war; so erheischte es Sitte und Pflicht.
Einst aber, wenn nach dieser Welt voller Schuld und Fehle droben in Himmels Höhen eine neue Götterstadt sich erheben wird, dann werden Baldur und Hödur Arm in Arm auf dem grünen ldafelde wandeln, und aller Haß und Hader wird für immer ausgelöscht sein.


Ullr

In Pelzwerk gehüllt, mit Bogen und Pfeilen bewaffnet, fährt Ullr, Odins Sohn und winterlicher Stellvertreter in der Weltherrschaft, auf grollen Schlittschuhen über die schimmernden Eis und Schneeflächen des nordischen Meeres windschnell dahin. Über Berg und Tal verfolgt er die Spur des flüchtigen Wildes.
Aus hoher Luft fällt der Seeaar oder das Schneehuhn, von seinen Pfeilen getroffen, tot zur Erde nieder. Der blitzschnelle Hirsch, der zottige Bär, das Elen und Renntier und der gierige Grauwolf; sie alle können ihm nicht entrinnen. Sein ist, was da kreucht und fleucht, und er verleiht gutes Jagdglück, wem er will.
Ihn rufen die Jäher an, wenn sie sich rüsten züm fröhlichen Jagen:
Ullr, ferntreffender Gott, laß uns nicht fehlen die Fährte des flüchtigen Wildes! Schärf uns das Auge, richt uns die Hand und beflügle den hurtigen Fuß!
Der Pfeil, der der Sehne entschwirrt, er bohre ins Herz sich dem eilenden Pelztier, oder dem Ur und dem Eber des Waldes. Erhöre den Ruf deiner Jünger und gib ihnen reichliches Jagdglück!"
Also rufen die Wildschützen zu ihrem Herrn und Meister; und wem er milde gesinnt ist, den führt er auf wildreiche Pfade, und beutebeladen kehrt dann abends der Jäger heim und preist beim schimmerndern Metkelch den Ruhm des Asen und mahnt den horchenden Knaben, mit Ehrfurcht den Namen des göttlichen Schützen zu nennen.

Übel ergeht es aber dem Jäger, der des hohen Asen nicht achtet. Er irrt in die Waldschlucht, wo Unholde hausen; der Irrwisch lockt ihn zum Sumpfe; auf ebener Eisbahn strauchelt sein Fuß, und wie zum Hohn rennt der Waldstier brüllend an ihm vorüber. Wahrlich! glücklich noch mag, er sich preisen, wenn er mit heilen Gliedern, obzwar ohne Beute, zum heimischen Herde zurückkommt.
Auch einen trefflichen Schild führt Ullr auf seinen Jagdfahrten mit sich, und den weiß, der Ase so geschickt zu handhaben, daß wohl der wütende Auer ohnmächtig die Kraft seiner Hörner an ihm zersplittert.

Skadi, die schöne Götterbraut, ist oft seine Gefährtin; Jauchzend jagen die beiden über die schimmernden Eisflächen des hoben Nordens dahin und lachen der weichlichen Wichte, die sich vor der grimmigen Kälte des Winters fürchten.

Eibenthal heißt Ullrs Halle in Asgard. Da ruht der Ase aus, wenn er des Jagens und Schlittschuhlaufens müde geworden. Die Eibe, das zähe Waldgewächs, grünt rings um das Haus. Aus ihrem Holz fertigt Ullr sich den Bogen und schnitzt die nimmer fehlenden Pfeile.


Widar

Widar ist Odins Sohn.
Er ist sehr groß und stark, und nur sein Bruder Thor mag ihn an Kraft übertreffen. Götter und Menschenkinder nennen ihn den schweigsamen Asen; denn nicht ist sein Mund willig zu nichtigem Geschwätz. Im stillen Waldtal Landwidi hat er sein Haus erbaut. Hohes Gras wächst vor den Toren, und geheimnisvoll flüstern die Blätter der wogenden Baumkronen um die weiten Hallen.
Einsam waltet Widar in seinem Waldgehege, und nur selten sucht er die Gesellschaft der andern Asen. Und doch blicken zu ihm die Götter mit großer Ehrerbietung auf, denn auf ihm allein ruht ihre letzte Hoffnung.
Er wird bei dem großen Weltkampfe unverletzt ausgehen, obgleich er darin die schwerste Heldentat vollbringt und den Fenriswolf tötet, der seinen Vater Odin verschlungen. Keines Schwertes wird Widar zu dem gewaltigen Werke bedürfen; einen ungeheuer großen Schuh trägt er an dem einem Fuße; den haben kluge Zwerge aus all den Lederstreifen gefertigt, die Menschenkinder von ihren Schuhen schneiden und achtlos wegwerfen.
Mit diesem großen Schuh wird Widar den Wolf in den Rachen treten, mit den Händen den Oberkieferr fassen und so mit unermeßlicher Kraft das Maul des Untiers auseinander reißen, daß es tot zusammenbricht.

Widar wird die neue Götterstadt erbauen und darin mit seinen Brüdern Baldur, Wali und Hödur in Eintracht und Frieden herrschen


Loki und Sigyn

Viel ist von der Hoheit und Herrlichkeit der hohen Asen berichtet worden; allein von Loki, Odins Bruder, läßt sich nur wenig Gutes melden. Wohl ist er edel von Gestalt und schön von Angesicht und klug dazu; aber sein Sinnen und Trachten ist unheilvoll wie fressendes Feuer, sein Herz voller Falschheit und Tücke, und seine Zunge ist sehr geschickt, niederträchtige Schmähungen und Lästerworte zu sprechen.
Geistverzehrende Sorge und unermeßliches Herzeleid hat er über die Asen gebracht; durch seine Bosheit ist Baldur zur Hel gefahren.
Ihm. mißtrauen die Götter, ihn fürchten die Menschen, und Riesen und Zwerge haben genugsam seine hinterlistige Tücke erfahren.

Fenrir, Midgardschlange und Hel sind seine Kinder, und nimmer hätte größeres Unheil der Welt widerfahren können, als Loki durch diese schrecklichen Geschöpfe über sie verhängt hat.
Auch Nagelfahr, das Totenschiff, das aus den nicht abgeschnittenen Fingernägeln der Verstorbenen gezimmert wird, ist sein Werk. Am Ende der Tage wird er am Steuer sitzen und die Feinde der Asen zum Weltkampfe heranfahren. Auf seinen Wink wird auch Surtur mit seinem feurigen Heere heranstürmen; denn Loki ist der oberste Herr und Gebieter des Feuers.

Ein treues Weib hat Loki, der Arge; sie heißt Sigyn und hatte zwei Söhne: Vali und Narwe, die wegen der Missetaten ihres Vaters von den Asen schrecklich bestraft worden sind: Wali ward in einen Wolf verwandelt, er zerriß seinen Bruder Narwe, und mit dessen Därmen ward Loki gebunden und an den Felsen gefesselt, wo er bis zum Weltuntergange, qualvoll sich windend, gebunden liegt.







Die Zeit vor dem Weltuntergange


Schlimme Zeiten werden kommen am Ende der Tage. Habgier und Falschheit, Untreue und Eidbruch haben ganz den Sinn der Menschen verdorben, und auch die Asen haben Teil an der Schuld.

Auf Erden erschlägt ein Bruder den andern, und der Sohn zückt das Schwert wider den Vater. An allen Orten lauern Mörder; keiner schont des andern, niemand ist seines Lebens sicher.

Da erhebt die Norne Skuld hoch den Kriegsschild. Walküren kommen durch die Luft geritten. Laut wiehern ihre Rosse. Raben schreien in hoher Luft, und aus Bergschluchten schallt das Geheul gieriger Grauwölfe.

Ein schrecklicher Krieg entbrennt. Speere sausen, Schwerter klirren, Eisenschilde brechen, und herzerschütterndes Wehegeschrei steigt auf zum hohen Himmel. In Strömen fließt das Blut der Erschlagenen; die Erde färbt sich rot.

Sköll und Hati, die Wölfe, welche Sonne und Mond solange verfolgt haben, rasten nun und trinken das Blut und fressen das Fleisch gefallener Krieger. Davon wachsen ihr Kräfte so sehr, dah es ihnen nun gelingt, Sonne und Mond zu greifen: Hati verschlingt den Mond und Sköll die Sonne; die Sterne fallen vom Himmel, und tiefe Finsternis bedeckt die Welt.

Da erhebt sich Hräswelg, der Adlerriese, im hohen Nord. Er schüttelt das Gefieder und schlägt die Flügel: da kommt der Fimbulwinter, so kalt und schaurig, wie nie ein Winter zuvor war. Eisige Nordstürme heulen; aus düstern Wolken fällt Schnee ohne Maß auf die Erde herab; alle Gewässer erstarren zu Eis; durch die Wälder geht ein Ächzen und Stöhnen; uralte Baumriesen brechen und stürzen krachend zu Boden; Felsen bersten" und Berge beben; kein Sommer folgt mehr.

Da erhebt sich der brandrote Hahn Fialar auf Nordlands Bergen und kräht, daß es schaurig durchs Weltall hallt. Ihm antwortet Goldenkamm in Walhall, und aus dem Reiche der Toten erschallt die Stimme des schwarzroten Hahnes. Mit Entsetzen wird das Krähen der Hähne allerorten vernommen, denn es kündet den Morgen des letzten Tages an.


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